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4 hours labor * 8 hours rest * 12 h for what we will

seid Teil davon

Kommt zum Block der 4-Stunden-Liga / 1. Mai - 10.00 Uhr - Philipp Scheidemann Haus

»Auf der Suche des Unmöglichen hat der
Mensch immer das Mögliche verwirklicht und er-
kannt, und die, die sich weise auf das beschränkt,
was ihnen möglich schien, sind nie um einen
einzigen Schritt vorwärts gekommen«
(Michael Bakunin)

 

Vierstundentag!  *  Voller Lohnausgleich!  *  Vollständige Personalaufstockung!
 

Die Arbeitswoche steht im Bann eines straffen Zeitregiments. Die Tage sind durch Arbeit streng getaktet. Wenn die Einkäufe gemacht sind, das Essen zubereitet und der Papierkram erledigt ist, gehen wir erschöpft zu Bett. Die Ruhe des Schlafs wird gestört durch das Wissen, dass nach dem Aufwachen nur die Arbeit wartet. Das Wochenende, ob es ein oder zwei Tage sind, ist so kurz, dass schon zu Beginn sein Ende winkt. Der Freude darüber, dem Zeitdruck der Arbeitswoche entkommen zu sein, für einen Moment in der Zeit, statt gegen sie zu leben, Zeit mit Familie und Freund_innen zu verbringen oder sie einfach nur nutzlos verstreichen zu lassen, folgt schon bald das Bedauern, wie wenig nur von der Zeit bleibt. So verstreichen die Tage und Wochen, Monate und Jahre …

Die 4-Stunden-Liga stellt sich gegen die Vergeudung des Lebens durch Lohnarbeit. Wir wollen unsere Zeit zurück, wir wollen gelebte Zeit und ein gutes Leben im Hier und Jetzt! Und zwar für alle! Die 4-Stunden-Liga fordert eine radikale Verkürzung der Arbeitszeit, um ein erfülltes, solidarisches, auf gegenseitigem Respekt beruhendes und demokratisches Leben zu ermöglichen! Wir fordern den Vierstundentag bei vollem Lohn- und Personalausgleich! Zahlen muss das Kapital!

Die soziale Frage hier und heute

Er könnte so schön sein, der technische Fortschritt: Die Plackerei könnte der Vergangenheit angehören und alle könnten die schönen Dingen des Lebens genießen. Stattdessen regiert der harte Imperativ der Zeit: Erlaubt der technische Fortschritt die Produktion von mehr Gütern in kürzerer Zeit, so ist dies kein Anlass zur Freude, nun weniger arbeiten zu müssen. Vielmehr entwickelt sich daraus der Zwang für alle anderen, nun mindestens ebenso effizient zu produzieren. Ein irrationales System, das zu Überproduktion, Einkommensverlust und Arbeitslosigkeit führt und uns zu permanenter Anpassung und Leistungssteigerung drängt.

Millionen Menschen leiden unter einer wachsenden Arbeitsbelastung, unter längeren Arbeitszeiten und einer Intensivierung der Arbeit. Viele von uns müssen sich mit Kettenverträgen, Scheinselbstständigkeiten oder anderen prekären Existenzformen mit miesen Löhnen oder Stundensätzen und ohne soziale Absicherung verdingen. Manchen von uns bleibt nur noch der Gang zum Jobcenter, wo wir uns Willkür und Demütigung ausgesetzt sehen und mit kaum zumutbaren Jobangeboten belästigt werden. Dies führt zu der absurden Situation, dass heute diejenigen, die Arbeit haben, 1.8 Milliarden Überstunden im Jahr leisten – 1 Milliarde davon unbezahlt. Zugleich befinden sich 4,4 Millionen Menschen im Hartz IV-Bezug, oftmals trotz Arbeit. Seit Jahren werden Monat für Monat fast 140.000 Menschen mit durchschnittlich 110 Euro sanktioniert. Mit der Peitsche werden die Schwächsten aus dem Leistungsbezug getrieben und damit zugleich noch der Druck auf diejenigen erhöht, die Arbeit haben und fürchten müssen, einmal in ähnlich verzweifelter Lage zu sein. Hinzu kommen all diejenigen, die wegen fehlender Arbeitserlaubnis oder anderer (sozialer) Entrechtungen gezwungen sind, sich fernab aller Sozialstatistiken in völlig informellen, rechtlosen und illegalen Arbeitswelten ausbeuten zu lassen.

Blinder Fortschritt

Der Arbeitsprozess fordert heute unsere persönlichsten Eigenschaften ein. Flexible Arbeitszeiten, selbstbestimmte Arbeitsgruppen und Leistungsanreize haben nicht nur das Ziel, die Organisation der Produktion zu transformieren, sondern unsere individuellen Bedürfnisse, unsere Glücksvorstellungen, unsere Kreativität und Autonomie, mit den Anforderungen der Arbeitswelt zu verschmelzen. Bereitwillig telefonieren wir dann schon mal beim Abendessen mit unseren Vorgesetzten wegen des Dienstplans oder springen aus unserer Freizeit heraus und für den Betrieb ein, wenn es einen Engpass gibt.

Der Kapitalismus steht derzeit an der Schwelle zur vierten industriellen Revolution. Nach Mechanisierung, Industrialisierung und Automatisierung folgt nun die Digitalisierung. Über »Arbeit 4.0« wird momentan viel geredet. Es geht um die unternehmerische Utopie der »intelligenten Fabriken«, eine durch Technikanwendung weitgehend selbstorganisierte Produktion. Während sich das Kapital neue Wachstumsschübe und mehr Profite verspricht, wird dies auf der anderen Seite zu einer weiteren Flexibilisierung und Entgrenzung der Arbeit führen. Erst jüngst haben die Wirtschaftsverbände wieder zum Angriff auf den Achtstundentag geblasen. Dabei kann die Nachfrageentwicklung schon seit Jahrzehnten nicht mehr mit der Steigerung der Produktivkräfte mithalten. Diese Schere wird immer größer und bedeutet den Verlust von Arbeitsplätzen. Klimawandel und die Endlichkeit natürlicher Ressourcen machen zudem deutlich, dass eine Steigerung der Nachfrageseite zumindest in den reichen Industrieländer auch nicht erstrebenswert ist, im Gegenteil: hier müssten weniger Rohstoffe und weniger Energie verbraucht werden. Die reichen Industrieländer müssen unproduktiver werden, nicht nur aus ökologischen Gründen, sondern vor allem auch um ärmeren Ländern Räume und Möglichkeiten zur Entwicklung zu eröffnen.

Zeit für Demokratie – Gesellschaft selbst und gerecht gestalten

Wir haben uns daran gewöhnt, die politische Gestaltung unseres Lebens an Regierungen zu delegieren. Dies hat zu unserer Passivisierung und Infantilisierung (Verkindlichung) geführt: So wie wir uns (trotz Duzerei und Horizontalisierung) auf der Arbeit bis zur Rente der Direktionsgewalt unserer Vorgesetzten beugen, so nehmen wir auch im Politischen ohnmächtig hin, was ohnehin schon entschieden scheint. Viel zu selten führt diese Entmündigung dazu, dass wir einfordern, was uns als selbstbestimmten Menschen zustehen würde; viel zu häufig wird stattdessen nach den Schwächeren getreten oder Ersatz in der rassistischen Selbstvergewisserung gesucht – ohne uns!!!

Die 4-Stunden-Liga tritt für die umfassende Demokratisierung aller Lebensbereiche ein – von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft – und dafür benötigen wir Zeit. Zeit, um uns zu bilden und zu organisieren, um gemeinsam Mut zu fassen und radikale Demokratie und Mitbestimmung auf allen Ebenen durchzusetzen. Zeit, um unser Schicksal in die eigene Hand zu nehmen. Dazu gehört die Einbindung aller und eine geschlechtergerechte Umverteilung unbezahlter Reproduktionsarbeit (Familie/Erziehung/Pflege) ebenso wie eine Neuverteilung menschenwürdiger Lohnarbeit ungeachtet des sozialen Stands, der familiären Herkunft oder der Staatsbürgerschaft.

Tretet der 4-Stunden-Liga bei!

Vierstundentag!  *  Voller Lohnausgleich!  *  Vollständige Personalaufstockung!

Zahlen muss das Kapital!

info@4hour-league.org

Filmabend mit Einführung zum Operaismus
Wann: 28.04. / 20.00 Uhr
Wo: Kollektiv-Cafe Kurbad /Sternstraße 20, Kassel

Der Film »Wir brauchen keine Erlaubnis« erzählt die bewegte Geschichte der sozialen Kämpfe um die Fiat-Fabrik im italienischen Turin zwischen 1969 und 1980. Der Protagonist des Films ist Pietro Perroti. Als junger Arbeiter zieht er nach Turin, um bei Fiat zu arbeiten und politisch aktiv zu werden. Er kauft sich eine kleine Kamera, die er in die Fabrik schmuggelt, um dort den Arbeitsalltag in Bild und Ton festzuhalten. Es entstehen eindrückliche Dokumente der Demonstrationen, der Streikposten und der großen Versammlungen. Im Film sind einige dieser einzigartigen Aufnahmen samt der Geräuschkulissen zu sehen und zu hören. Der Dokumentarfilm erzählt vom Klima dieser Jahre: der massenhaften Beteiligung, der Strahlkraft der Kämpfe hinein in die Gesellschaft und den Alltag, aber auch von den Konflikten mit Institutionen und Presse.

Die Kämpfe in Turin richteten sich gegen die industrielle Zurichtung des Menschen, gegen die kapitalistische Arbeit selbst. Dieser Kampf ist dem Kampf um die Arbeit gewichen. Den Kurzbefristungen, der Arbeit auf Abruf oder auch den jüngsten Angriffen der Arbeitgeberverbände auf den Achtstundentag steht nurmehr die verschämte Forderung nach 2,3% mehr Lohn und einem Jobticket entgegen. Da lohnt ein Blick in die versäumte Zukunft der Geschichte.
Zu diesem Filmabend laden Euch die »Gruppe d.o.r.n.« und die »August Spies Foundation« herzlich ein. Die Veranstaltung findet mit freundlicher Unterstützung der GEW/Regionalverband Nordhessen statt.

 

Und übrigens: Der 1. Mai steht vor der Tür …